Journal für Katzenkultur

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Der Kater Silvester

In Vier-Pfoten-Stories on 2. Januar 2014 at 22:53

Silvester feiern wir bei Freunden im Nachbarort. Als wir dort ankommen, finden wir die Freundin und Gastgeberin ein wenig neben der Spur und leicht entnervt.

Was war passiert?

Auf dem Carport gegenüber saß im Gebälk eine lauthals schreiende schwarze Katze.

Freundin Witti, an „das Schreien der Lämmer“ erinnert, startete trotz Silvestervorbereitungen eine Rettungsaktion. Die Katze ließ sich nicht herunter locken, also baute sie ihr mit Brettern einen Abstieg. Der wurde auch dankbar angenommen, ebenso das dargebotene Hundefutter als Erste-Hilfe-Maßnahme. Die schwarze Katze wich ihr nicht mehr von der Seite, wollte gerne mit ins Haus.

Da wohnt aber schon Balu, der junge Labrador. Also alles in allem keine gute Idee. Die Nachbarn kannten die Katze auch nicht, hatten sie aber schon ein paar Tage um die Häuser streichen sehen.

Jetzt war aber vermutlich der Übeltäter dingfest gemacht worden, der in den letzten Tagen in Nachbars Keller eingedrungen war und sich am Hundefutter vergriffen hatte. Die ehemalige Katzenklappe wurde verschlossen, da ein Marder verdächtigt wurde. DieFutterquelle war für den schwarzen Dieb nun unerreichbar.

Freundin Witti packt den Findling entschlossen in den Hundetransporter, fährt das nächstgelegene Tierheim Westhofen an. Die nehmen ihn aber nicht, zuständig für Garenfeld ist das Tierheim Hagen.

Das Tierheim Hagen ist umgezogen. Sie fragt sich durch und steht vor verschlossenen Türen.

Also zurück nach Hause. Auf dem Rückweg besorgt Witti noch Katzenfutter, stattet die große Hundebox mit Decken aus und stellt sie mit geöffneter Tür, Fressen, Wasser und einer unglaublich dankbaren und friedfertigen Katze an eine geschützte Stelle hinters Haus. Vier Stunden Action- dann kommen die Gäste!

Das war die Vorgeschichte, die uns erzählt wurde.

Keine gute Voraussetzung für eine gelungene Silvesternacht.

Freundin Coeppi und ich werfen uns am Tisch hektische Blicke zu, man sieht förmlich, wie unsere Köpfe qualmen und nach einer Lösung suchen.

Eine Katze alleine draußen? An Silvester? Mit Knallerei? Das geht gar nicht. Coeppi springt auf: „ Ich guck mir die Katze mal an. Wenn sie noch da ist“. Ich bleibe sitzen – aus Gründen.

Die Katze ist noch da. Coeppi hat ein schnurrendes Fell im Arm.

Der Plan:

Die Katze kommt bis zum 2. Januar zu Coeppis Mutter. Die alte Dame hat vor 4 Wochen ihre Katze beerdigen müssen und trauert noch. Sie teilt sich ein Haus mit der Tochter. Die hat aber ein Problemfellchen aus dem Tierheim, das ganz langsam nach einem Jahr mit viel Liebe und Einfühlungsvermögen zutraulicher wird. Eine zweite Katze war nicht angedacht, wegen der eventuell irgendwann nötigen Zusammenführung. Der Findling gilt als vorübergehende „Leihgabe“.

Wir packen diese friedliche Katze ohne Gegenwehr in einen Pappkarton. Ich fahre die fünf Kilometer mit dem Karton auf dem Schoß mit und höre keinen Mucks. Unglaublich!

Im Wohnzimmer von Coeppis Mutter wird der Karton geöffnet und ein absolut hinreißender junger, pechschwarzer Kater steigt gelassen aus. Schaut sich schnurrend um, sieht das Kaminofenfeuer, den Ohrensessel und eine glücklich grinsende alte Dame.

In dreißig Sekunden hat er Futterplatz und Katzenklo gecheckt, eine Runde durch die Wohnung gedreht und sich von allen Beteiligten streicheln lassen.

Auf seiner Stirn steht geschrieben: Hier bleibe ich! Basta!

Wir hatten alle eine wunderschöne Silvesterfeier. Als Coeppi nach Hause kommt, liegt der Kater bereits mit Muttern im Bett.

Am Neujahrstag

twittere ich über den Fundkater und bitte um Retweets. Die Resonanz ist überwältigend. Vielen Dank, ihr seid toll! Ich durchforste sämtliche Portale und suche nach kürzlich entlaufenen Katern im Raum Hagen. Finde nichts, was evtl. passen könnte.

Unsere Überlegungen: Dieser zutrauliche Kater muss ein gutes Zuhause gehabt haben. Er ist Menschen und Wohnungen gewöhnt, er trug ein Flohhalsband. Am nächsten Tag soll der Tierarzt nachschauen, ob er gechipt ist.

2.Januar,

beim Tierarzt. „Herzlichen Glückwunsch! Sie haben den Halter des Tieres ermittelt“.

Der Halter wohnt in Düsseldorf! In Düsseldorf? Ausgeschlossen, das ist viel zu weit entfernt! Ein Telefongespräch löst das Rätsel. Der Kater ist auf den Namen einer düsseldorfer Familie eingetragen, er lebt aber bei der Mutter in Dortmund-Wellinghofen.

Was Coeppi nun vom Halter erfährt und was sie ihm erzählt, verblüfft beide. Der Kater wurde bereits im September als vermisst gemeldet und auf einem Such-Portal mit Foto gesucht.

Ich wäre niemals auf die Idee gekommen, im Dortmunder Bereich zu recherchieren. Laut Routenplaner beträgt die Strecke Dortmund-Wellinghofen – Hagen-Garenfeld ca. 25 Kilometer. Mit dem Auto, wohlgemerkt. Der Kleine muss sich querfeldein durchgeschlagen und auf dem Weg seinen ganzen Charme in die Waagschale geworfen haben. Denn er war gut genährt und sah trotz allem sehr gepflegt aus.

Was geschieht weiter?

Die alte Dame, die ehemalige Besitzerin, hat bereits eine neue Katze. Der Halter frug vorsichtig nach, ob Coeppi den Kater behalten möchte.

Was soll ich sagen? Am Samstag werden die Impfpapiere aus Düsseldorf gebracht und es wird ein Foto von „Mohrle“ für die Vorbesitzerin gemacht.

Mohrle heisst jetzt Silvester!

Das Schicksal hat es so gewollt. Alle Probleme, die irgendwann einmal entstehen können, werden sich lösen lassen.