Journal für Katzenkultur

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Katzenbisse, Krallen und eine Warnung

In Hauptsache gesund on 1. September 2012 at 12:16

Matze: Hallo Kumpels,

die FF möchte gerne was schreiben. Wir haben ihr deshalb den Redaktionsschlüssel überlassen. Dem Rudi is das alles voll peinlich. Aber nun ja…

Liebe Freunde,

ich habe das dringende Bedürfnis, euch allen ein paar Informationen zukommen zu lassen. Die letzte Woche hat sich ja leider bei uns ziemlich turbulent gestaltet. Hätte ich meinen Verstand eingeschaltet, wäre alles anders gekommen. Ihr habt immer wieder gefragt, was genau passiert ist. Einige von euch haben nicht alles mitbekommen, deshalb erzähle ich euch die Geschichte jetzt ausführlicher. Nicht aus Sensationslust, sondern in der Hoffnung, dass ihr im Falle eines Falles alles besser machen werdet.

Wir Katzenbesitzer sind ja bekanntlich hart im Nehmen. Wir leben mit diversen Kratzern und überleben sie natürlich auch problemlos. Auch den einen oder anderen (oberflächlichen!) Biss haben wir weggesteckt und machen uns keine großen Gedanken, wenn es uns dann plötzlich richtig erwischt.

Meinen ersten richtig fiesen Katzenbiss fing ich mir vor gut 12 Jahren ein. Eine Urlaubskatze (wir waren zu der Zeit mal ein katzenloser Haushalt) bekam bei uns Junge und ließ alle Familienmitglieder daran teilhaben. Dann kam SGMaus in den Semesterferien nach Hause und nahm die Wohnung in Beschlag. Katze Sissi knurrte sie jedes Mal warnend an, wenn sie an der Wurfkiste vorbeiging. Ich schätzte die Situation total falsch ein und ahnte nichts Böses, weil diese Katze immer völlig ohne Aggression war.

SGMaus baute ihren PC auf, wollte ihn unter dem Tisch einstöpseln und war plötzlich auf Augenhöhe mit Sissi und ihren Babys. Ich stand daneben, hörte Geknurre und konnte gerade noch meine Hand zwischen SGMaus‘ Gesicht und einer völlig entfesselten Katzenmutter halten. An meiner Hand hing ein knurrendes fauchendes Etwas. Ich musste Sissi gegen den Türrahmen schlagen, damit sie von mir abließ. Natürlich floss Blut in Strömen. Natürlich war nichts zum Desinfizieren im Haus außer einer Flasche Korn. Natürlich nahm ich die Sache nicht ernst. Zwei, drei, vier Tage später war die Hand so angeschwollen, dass es selbst mir mulmig wurde. Ich bin zum Hausarzt gegangen. Der drohte mit der Handchirurgie, wenn seine Behandlung nicht anschlagen würde. Ich hatte Glück, es dauerte lange aber es ging alles gut. Von dieser Geschichte gibt es kein Foto.

Zehn Jahre später sah die Sache schon anders aus. Da war ich mit Muffin- Sissis Tochter- beim Tierarzt. Während des Fiebermessens schaute der Arzt verträumt vor sich hin und bewegte dabei das Thermometer. Muffin erschrak und biss in die Hand, die ihren Kopf streichelte- klar- in meine!

Wieder floss Blut, aber die FF ist ja nicht doof, nä? Am gleichen Tag noch schlug ich in der Krankenhausambulanz auf. Das konnte ja diesmal nicht so schlimm sein.

Und jetzt sage euch was: Wenn ihr mit einem Katzenbiss ins Krankenhaus kommt, habt ihr die Show im Kasten! Ruckzuck stand der Chef der Handchirurgie parat und erzählte mir mit bedenklichem Blick Katzenbiss-Horrorgeschichten. Zehn Jahre nach meiner ersten Verletzung hieß die Devise nun – ruhigstellen!

Ich bekam eine Gipsschale um die komplette Hand, samt Daumen. Es war die rechte, was die Sache nicht gerade alltagstauglich machte. Ich war komplett aus dem Verkehr gezogen. Vierzehn Tage lang täglich zur Ambulanz, Gipsschale ab, Wunden reinigen, Gipsschale dran. Dazu natürlich Antibiotika. Ein paar kleine Narben erinnern mich noch daran. Wie „unhandlich“ dieser Verband war, seht ihr hier:

Bisswunde

Nach dieser langen Vorrede ist euch sicher klar, dass ich mich Katzenbissverletzungen betreffend für einen Vollprofi hielt. Aber auch die schlaue FF hat wieder dazu gelernt:

Katzensicherheit

Vor 14 Tagen sitze ich (vermutlich munter dumme Dinge twitternd) auf dem Sofa. Matzemann wärmt meine Füße, es sind ja schließlich nur 25 Grad. Rudi tummelt sich draußen. Plötzlich höre ich völlig ungewohnte Katzentöne. Ein tiefes lautes Geheul. Mein erster Gedanke: Da ist eine fremde Katze ins eingezäunte Revier eingedrungen und bringt gerade meinen Rudi um. Barfuß starte ich durch und sehe Rudi draußen auf dem Kletterbaum vor dem Fenster.

Matze und Rudi am "Unglücksfenster"

Durch dieses Fenster können die Bengels von draußen in die Wohnung. Es ist entweder ganz auf oder ganz zu. An diesem Tag ist es gekippt, zum ersten und jetzt auch letzen Mal. Ich kenne die Gefahren bei gekippten Fenstern. Ganz ehrlich. Aber unsere Altbaufenster haben so eine tiefe Fensterlaibung, dass kein Katzenkopf dazwischen passt.

Ich will wissen was im Innenhof los ist, werfe einen Blick durchs Fenster und stelle entsetzt fest, dass Rudi mit der Vorderpfote im Kippfenster festklemmt. Er zappelt und schreit und zappelt. Ich versuche vergeblich, von innen die Pfote nach oben zu schieben und sehe ihn schon vor meinem geistigen Auge von der Plattform stürzen und mit seinem ganzen Gewicht an einer Pfote  im Fenster hängen.

Kletterbaum mit Fenstereinstieg

In diesem Fenster hing Rudi von außen mit der Pfote fest

Ich habe überhaupt nicht mehr gedacht. Ich bin über die Terrasse die Treppe runter in den Innenhof gesaust, habe mir die Leiter geschnappt (die zum Glück dort lag!), habe in der Hektik nicht geschafft, sie komplett aufzubauen und bin dann wie ein Affe den Kletterbaum hoch. Oben angekommen greife ich mir sofort Rudis Pfote und schiebe sie aus dem Fensterspalt. Das ging zum Glück problemlos. Der panische Rudi klammert sich an mir fest, lässt sich dann aber auf einer Plattform absetzen und verlässt den Baum selbstständig. Er tritt vorsichtig auf, hat aber keine Schmerzen beim Abtasten, legt sich aufs Bett und schläft sich den Schock aus dem Körper.

Ganz langsam normalisiert sich mein Adrenalinspiegel und nach einer halben Stunde sehe ich verblüfft, dass Blut über meinen Arm läuft. Ich habe ein Pflaster drauf gemacht. Da hatte ich ja Dusel- es war keine Bisswunde!

Fast eine Woche beobachte ich die Verletzung. Es wird nicht schlimmer- aber auch nicht besser. Die blutenden Stellen verheilen. Aber da ist eine Stelle, die nicht geblutet hat. Die ist etwas geschwollen und heiß, tut weh wenn ich sie berühre und schillert in allen Regenbogenfarben. Mehr eigentlich nicht. Es ist ja auch keine Bisswunde! Am Montag passierte diese Geschichte, am Samstag bitte ich meine Freundin, eine OP-Schwester, mal „einen Blick drauf zu werfen“. Sie empfiehlt natürlich einen Arztbesuch am Montag, bringt mir Salbe und telefoniert mit einem befreundeten Chirurgen.

Na ja, ist klar, schon am Sonntag steht sie auf der Matte und schleppt mich ins Krankenhaus. Ich bin natürlich fest der Meinung, dass diese läppische Verletzung ambulant zu wuppen sei. Aber wie schon erwähnt, bei Katzenbissen und wie es jetzt aussieht auch bei Krallenverletzungen, geht bei den Ärzten die Post ab. Mir wird schnell klar gemacht, dass die Wunde aufgeschnitten werden muss und zwar ziemlich tief. Das Gewebe muss ausgehöhlt werden und alles was entzündet ist muss raus. Das geht nur unter Vollnarkose, auch bei ganz harten Katzenbesitzern.

Am Montag melde ich mich also brav morgens um 7Uhr im Krankenhaus und werde um 14Uhr erst als Letzte operiert. Meine Freundin hatte das schon vermutet, weil bei Tierverletzungen der OP der speziellen Keime wegen anschliessend ganz besonders sterilisiert werden muss.

Alles ging gut. Ich wurde am Dienstag entlassen. Ich bin nun fast eine Woche jeden Tag ins Krankenhaus gefahren. Die Wunde wurde nicht genäht, sondern muss von innen heilen. Sie wurde täglich gespült, mit dieser antiseptischen Gaze vollgestopft und neu verbunden. Das war nicht wirklich lustig. Ab heute darf ich sie selber spülen und verbinden und in der nächsten Woche übernimmt der Hausarzt die Kontrolle. Die Verletzung sieht aus wie eine Schusswunde, ist so tief, dass man einen Daumen darin versenken kann und reicht bis in die Muskulatur. Da soll angeblich ne ordentliche Narbe bleiben.

Aktueller Stand nach der OP

So, liebe Freunde, ihr habt jetzt verstanden, was ich euch erzählt habe? Habt ihr es auch wirklich begriffen?

Tierverletzungen sind keine Lappalien und Katzenverletzungen schon gar nicht ! Geht zum Arzt, wenn ihr mit Katzenzähnen oder Krallen kollidiert! Sofort! Das Schlimmste, was euch passieren kann ist, dass man euch für hysterische Weicheier hält. Das Beste aber ist, dass ihr euch ne Menge Ärger ersparen könnt.

Und wenn ihr meint, dass ich übertreibe und einfach nur Pech hatte, dann befragt bitte unseren Freund Google zum Thema.

Keine meiner Katzen hat mich jemals aus Bosheit oder Aggressivität angegriffen. Alle Verletzungen zog ich mir ausschließlich auf Grund meines Fehlverhaltens und falscher Einschätzung der Situation zu.

Bleibt und werdet gesund

Eure FF

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