Journal für Katzenkultur

Vom Pinkeln und der Suppenkelle

In Hauptsache gesund on 3. Januar 2012 at 17:05

Liebe Menschen,

eigentlich müsste es euch klar sein, dass wir zu den sehr sauberen Spezies gehören.Wenn wir bei euch einziehen genügt es, uns das Klo zu zeigen und wir benutzen es sofort und zuverlässig. Die meisten von uns graben sich fast bis nach China durch, um die Hinterlassenschaften nicht mehr riechen zu müssen. Wir haben nämlich sehr empfindliche Näschen.

Aber die Geschichte des Katzenklos  ist auch eine Geschichte voller Missverständnisse.

Manchmal reagieren wir anders als geplant, eröffnen in der Wohnung eine Pinkelecke und machen uns bei euch äußerst unbeliebt. Das nennt man in Katzenkreisen „Protestpinkeln“. Wir sprechen nämlich eine andere Sprache und versuchen euch quasi pantomimisch zu vermitteln, dass etwas nicht stimmt- entweder mit dem Klo oder mit uns. Jetzt liegt es an euch, herauszufinden was uns stört.

Wir haben in einer repräsentativen Umfrage unter unseren Kumpels folgende Gründe zusammengetragen:

Wir sind gerade bei unseren Menschen eingezogen und ein anderes Klo gewöhnt. Ein Klo mit Dach oder eines ohne- auf jeden Fall nicht das, was uns zur Verfügung gestellt wird.

Das Klo ist zwar okay, aber es steht an der falschen Stelle. Möglicherweise ist es hier zu laut oder jeder latscht daran vorbei und uns fehlt einfach die nötige Diskretion.

Das Klo ist okay, der Ort auch, aber die Streu ist nicht unser Ding. Da hilft nur ausprobieren oder fragen welche wir gewöhnt sind. Ein paar unserer Findel-Katzen-Kumpels sind und bleiben allerdings Freigänger und überzeugte Botanik-Pinkler- und ihr-wisst-schon-was. Die müssen dann eben die Möglichkeit bekommen, ihr Geschäft open Air zu verrichten.

Manchmal werden wir auch Mitglieder einer Wohngemeinschaft und wollen unser Klo nicht mit anderen teilen. Die Faustregel lautet: Ein Klo mehr als Katzen vorhanden sind aufstellen.

Wenn Equipment und Atmosphäre stimmen und wir plötzlich Parkett, Flokati oder Wasserbett bepinkeln, wird es kompliziert. Dann haben wir keineswegs eine Schraube locker, sondern ein Problem. Entweder hat sich etwas in unserem häuslichen Umfeld verändert das uns gar nicht gefällt oder wir sind schlicht und ergreifend krank. Auf keinen Fall wollen wir aber unsere Menschen ärgern. Wir bitten um Hilfe, zeigen unseren Unmut oder unsere Schmerzen und sind mehr denn je auf das Verständnis unserer Dosenöffner angewiesen.Wenn die aber psychische Probleme ausschließen können, weil zu Hause alles ist wie immer, ist es an der Zeit, körperliche Ursachen zu vermuten.

Die erste Katze die bei der FF wohnte, benutzte immer korrekt ihr Klo. Irgendwann pinkelte sie in die Badewanne und ins Waschbecken. Die FF konnte sich das nicht erklären, bis sie Blutspuren auf der weißen Keramik sah. Taboo hatte also eine Blasenentzündung und brachte vermutlich die Schmerzen beim Wasserlassen mit dem Klo in Verbindung.

Wir fassen zusammen: Bei plötzlicher unerklärlicher Unsauberkeit (auch beim großen Geschäft) führt der erste Weg zum Tierarzt. Und zwar pronto!

Und jetzt kommt die Schrecksekunde aller Dosenöffner: Der Tierarzt verlangt nach einer Urinprobe! Er empfiehlt dieses teure Spezialstreu, das wir natürlich nicht benutzen. Es gibt ein paar Urinauffang-Tipps, die bei dem einen Kumpel funktionieren, bei dem anderen nicht. Bei uns wird nur noch der „Suppenkellen-Trick“ angewandt. Den verraten wir euch jetzt, denn er funktioniert bei uns beiden 100% zuverlässig in dieser Variante:

Der Suppenkellen-Trick

Die Chance auf eine volle Blase ist bei uns nachts am größten.

Das frisch gemachte Klo wird dann ins Wohnzimmer gestellt. Das finden wir nämlich total interessant. Es dauert keine 10 Minuten und der erste von uns sitzt drin. Die FF wartet, bis sich der Proband zurechtgerückt hat (Nerven behalten!) .Wenn es erst mal „läuft“ können wir nämlich nicht mehr stoppen.Wichtig ist, diesen Moment wirklich abzuwarten, sonst wird das nix.

Die FF nähert sich von hinten mit der bereits zurechtgelegten Suppenkelle und schiebt sie einfach unter den Po. Es gerät zwar immer auch etwas Streu mit in den Urin, aber das macht nichts. Bei uns landet immer der komplette Blaseninhalt in der Kelle.

Dann zieht die FF den Urin in eine Einwegspritze und legt sie in den Kühlschrank (wat mutt, dat mutt, bäh). Da wir Nachtpinkler sind, reicht es, die Ausbeute am nächsten Morgen zum TA zu bringen.

Für uns hat das Thema Urinprobe seinen Schrecken verloren.

Wir sind aber gespannt, ob ihr ähnliche Erfahrungen gemacht habt oder andere Tricks wisst.

Matze+Rudi

Redaktion

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  1. Ich hoffe das wir den Suppenkellentrick niemals ausprobieren müssen, für unser aller Nerven – aber wenn, dann werden wir an Euch denken und die Nerven behalten;)

    • Sollte der Notfall eintreten, stehen wir dir und den Katzenmädels mit Rat und Tat zur Seite.

      Pfote drauf!

  2. Es gibt noch die CCO-Radikal-Methode: Kater in Box, zur doof-hübschen Tierärztin, Katerbauch rasieren (sehr unschnurrig, ey!), Ultraschall (ok, das war dann auch schon egal) und Blasenpunktion (DAS war jedoch nicht ok, NEINNEINNEIN, das war das unverschämt Unschnurrigste, was ich seit Ewigstkeiten erlebt habe!!!). Da lernt man selbst als Meditierkater fauchen. Muss also auch nicht sein…

    Wenigstens wird der CCO bei solchen Aktionen auch ordentlichst abgestraft, mit ’ner saftigen Rechnung nämlich…

    Also vielleicht besser mit der Pinkelkelle…

    • Matze: Kenn ich Kumpel. Blasenpunktion is voll uncool, Urin aus der Blase MASSIEREN genau so und noch dazu oberpeinlich.

      Die Kelle is echt die ultimative Methode. Stressfrei und kostengünstig.

  3. Hallo liebe Futterfrau, hallo Matze und Rudi,

    vielen Dank für den tollen Artikel und die Tipps und Tricks.

    Ich glaube nicht, dass es bei Spike eine körperliche Ursache hat. Er geht zu > 90 Prozent auf das normale Katzenklo, macht dort seine Geschäfte (gross und klein) und sieht dabei entspannt und keineswegs schmerzgeplagt aus. Natürlich werden wir aber auch diese Option – spätestens Ende der Woche bei Misserfolg – abchecken lassen.

    Zunächst habe ich uns zwei Bücher bestellt, die auch heute geliefert wurden:

    1) Wenn Katzen Kummer machen und
    2) Stille Örtchen für Stubentiger

    Meine bessere Hälfte hat hier schon fleissig studiert und auch schon einige Sachen umgesetzt. Wie nannte sich das im Buch? Optimierung des Katzenklomanagement. Die @Schatzen hatten das heute auch schon in einem Tweet erwähnt.

    Wir haben ein zweites Klo angeschafft, haben dies zusätzlich in einen anderen Raum gestellt und bei dem alten wie auch dem neuen Klo den Deckel entfernt.

    Zusätzlich haben wir Spike in Mayas Körbchen schon zweimal mit ein wenig Schinken gefüttert – nicht so einfach mit einem Hund in der Nähe – und im Körbchen mit der Angel gespielt. Katzen erleichtern sich in der Regel ja nicht an Spiel- bzw. Futterplätzen. Weiter habe ich eine Schlafhöhle besorgt. Vielleicht nimmt er sie ja.

    Heute war bis jetzt Ruhe. Wir schauen uns das Ganze mal bis zum Wochenende an und werden bei Misserfolg dieser Sofortmassnahmen zusätzlich den Tierarzt aufsuchen und hierzu auch vorher den Suppenkellentrick ausprobieren.

    Drückt uns die Daumen und Pfoten, dass uns (bzw. Spike) das erspart bleibt und wir die Angelegenheit mit einigen Änderungen in den Griff bekommen.

    • Boah! Ihr werdet die Chef-Katzenklomanagement-Optimierer! Natürlich drücken wir die Pfoten. Spiki- mach keinen Ärger!
      Haltet uns auf dem Laufenden. Wir sind gespannt und sehr interessiert, welche Tipps und Tricks ihr ausprobiert und welche funktionieren.
      Vielleicht wäre das mal was für einen nächsten Artikel? Fachkundige freie Redakteure sind hier immer gern gesehen.

      Viel Erfolg!

  4. Ach, ’nen Buchtipp hat der CCO auch noch:

    http://www.amazon.de/Stille-%C3%96rtchen-f%C3%BCr-Stubentiger-Unsauberkeit/dp/3837022250/ref=sr_1_1?s=books&ie=UTF8&qid=1325641094&sr=1-1

    Sehr schön geschrieben, leicht & schnell zu lesen, absolut professionelle Tipps!
    (Und – ganz wichtig – wirbt um Verständins für unsere Missgeschicke, so wie’s die Pfotenland-Redaktion schon sehr schön tat :-))

  5. Oh – ich sollte schlafen gehen. Das Buch habt Ihr ja schon…ähm… *meditier*

  6. Zur Uringewinnung noch ein Tip:

    Als ich bei meiner Kätzin Verdacht auf Blasenentzündung hatte, habe ich mich zur Uringewinnung anders beholfen.Ich habe aus einem Katzenklo die Streu entfernt und etwas (etwa eine Hand voll) sauberen Aquarienkies eingefüllt. Klo und Katze habe ich über Nacht ins Bad gesperrt.

    Am nächsten Tag hatte ich eine wunderbare Urinprobe in der Katzentoilette, die ich nur noch mit der Plastikspritze aufziehen und ins Untersuchungsröhrchen füllen musste. 😉

    • Hallo Andrea,
      vielen Dank für diesen Tipp! Der ist sicher für den einen oder anderen interessant.

      Bei uns hingegen würde der gar nicht funktionieren. Einen von uns ins Bad einsperren? Über Nacht? Geht gar nicht. Anschließend müsste renoviert werden, weil wir alles in Schutt und Asche gelegt hätten.

      Vorstellen könnten wir uns: Aquarienkies ins Klo und wenn wir pinkeln, den Urin sofort aufziehen. Aber wahrscheinlich würden wir nicht in den Kies machen. Die Spezialstreu vom Arzt haben wir auch verweigert.

  7. Huhu Goldjungs und geneigte Kommentatoren,

    vielen Dank für die Tipps. Wenn es denn mal Not tut, werde ich die Suppenkelle einsetzen.
    Dazu kauf ich mir am besten eine aus Plastik. Denn meine herrgottsallerbeste Suppenkelle möchte gerne noch als solche nutzen 🙂

  8. Wir empfehlen bei Neuanschaffung darauf zu achten, dass die Kelle ziemlich flach ist . Aber bisher besteht ja zum Glück noch keine Notwendigkeit. Für King Idefix wäre ein Modell aus Silber angemessen. *find*

  9. Wirklich guter Artikel. Joschi hat auch ganz lange in die Wohnung gemacht. Der Tierarzt hat nichts gefunden. Kurzerhand schleppte Frauchen ihn zu einem anderen TA und dieser nahm eine Urienprobe – Blasenmassage. *voll unschnurrig*. Es war keine Blasenentzündung sondern Struvitsteine! Joschi musste dieses spezialfutter fressen und einmal die Woche eine Urinprobe beim TA abgeben. Jetzt ist alles wieder gut.

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