Journal für Katzenkultur

Lass los

In Viehlosophisches on 1. Oktober 2009 at 23:15

Futterfrau: Zuerst einen Dank an die Redaktion, dass sie mir ein Plätzchen für diesen Artikel zur Verfügung stellt (ich mache es wieder gut, Bengels).

Es gibt Dinge, die mich so sehr beschäftigen, dass sie irgendwann aufs Papier müssen. Seitdem meine Kater twittern, habe ich viele neue Bepelzte kennen- und schätzen gelernt. Ihre Menschen geben ihnen eine Stimme. Jedes Tier ist mir mit seiner Einzigartigkeit vertraut geworden. Ich lebe, leide und weine auch mit, wenn es um Verlust, Krankheit und Tod geht.

Ich rechtfertige und erkläre mich nicht mehr deswegen. Mir gehen die Argumente aus, bei:

„Meine Güte, es ist doch nur ein Tier“.

Soll ich bis zum Sanktnimmerleinstag betonen, dass mich das Elend auf diesem Planeten keineswegs kalt lässt, nur weil ich Tiere liebe?

Möglicherweise haben Menschen, die ihr Leben mit Tieren teilen, eine Herzkammer mehr.

So einfach ist das.

Diese Menschen finden sich überall. In unzähligen Foren, bei Twitter. Auf Partys mit fünfzig Gästen treffen die drei aufeinander, die mit Katzen leben. Begegnet mir jemand, der mir auf Anhieb sympathisch ist, entdecke ich (meistens) Katzenhaare auf Pulli oder Hose.

Wer jetzt weiter liest gehört zu diesen Menschen und ist bereit sich auf  mein eigentliches Thema einzulassen, mit dem ich in den letzten Wochen verstärkt konfrontiert wurde:

Eine Katze, die mir vertraut geworden ist stirbt, eine ist krank, eine andere wird vielleicht  ihre Krankheit nicht überstehen. Wenn ich die verzweifelten Nachrichten lese, bin ich plötzlich ganz nah dabei. Da waren Taboo, Ossy, Murphy, Yoda, Jedi und Muffin. Taboo starb mit 19 Jahren an Altersschwäche in meinen Armen, Yoda an einer schweren Krankheit.

Er lag einen Tag nach einem Tierarztbesuch tot da. Er hat mir die Entscheidung abgenommen.

Bei den anderen musste ich sie treffen.

Ich schrieb einmal einem guten Freund: „Es steht schon wieder das schwere Gerät bereit, um ein Stück meiner Herzwand einzureißen. Es hört nie auf. Was soll ich tun?“

Ich bekam von ihm, einem langjährigen Buddhisten, eine Antwort, die ich nie vergesse, die ich wie ein Mantra mit mir trage und die ich an euch weitergebe. Er schrieb mir: „Der Tod ist ein Teil des Lebens. Lass los.“

Dieses Bild des „loslassens“ tröstet mich. Auch die Möglichkeit, bei unseren Tieren Leiden zu verkürzen und  ihnen den Weg frei machen zu können, für eine andere Ebene, an die ich fest glaube.

Bette den Schlaf in ein Lied.
Wenn sich im Strom die Konturen verwischen,
schuppen sich silbern die  Zeiten.
Der Klang, der über die Ebenen zieht,
wird dir das Meer von den Wangen fischen.
Es öffnen sich neue Weiten.

Hinter dem Horizont verborgen,
treibt dich ein Segel in den Morgen.
(AM)

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  1. Liebe Futterfrau von Matze und Rudi,

    Du sprichst mir aus dem Herzen…mehr will ich gar nicht sagen. Ich musste auch schon zweimal loslassen und musste beide Male die Entscheidung treffen. Ich hatte auch das Gefühl, es reisst mir ein Stück aus dem Herzen. Ich weiss noch, nachdem mein geliebter Bijou im August 1997 gestorben war, bin ich ca. 2 Wochen danach mitten in der Nacht wach geworden, weil ich dachte, er sitzt direkt neben meinem Kopf. Ich habe ihn förmlich gespürt und sein Schnurren gehört…als wollte er mir sagen „sei nicht traurig – Mohrchen ist ja noch da“. Und merkwürdigerweise war Mohrchen zu diesem Zeitpunkt nicht bei uns im Schlafzimmer. Ich bin direkt aufgestanden um nach ihr zu sehen. Sie lag friedlich schlafend im Wohnzimmer auf ihrem Lieblingsplatz….das kann man natürlich nur jemandem erzählen, der ein Katzenmensch ist. Mohrchen hat noch 8 weitere Jahre unser Leben bereichert und uns im Alter von fast 20 Jahren verlassen. Mein Avatar bei Twitter ist übrigens Mohrchen…

    Liebe Grüße
    Manuela

  2. Dieses Thema blende ich am liebsten aus, verdränge es … doch gerade in der letzte Zeit ist dies nicht wirklich möglich, weil immer wieder etwas ist und ja, ich leide auch mit wenn es einem Twitter-Tiger schlecht geht.

    Von diesem Loslassen hat die TerrorCatGang auch bei Kater Harves auf seiner Gedenkseite geschrieben, seit dem gibt es diese „Sicht“ bei mir im Kopf überhaupt erst. Auch wenn es trotzdem weh tut und trotzdem unendlich traurig ist „hilft“ es.
    Ich kann mich schwer ausdrücken und möchte einfach >i>vielen lieben Danke sagen!

    (so und nun muss ich wohl Marzipan und Champagner auch etwas Gutes tun das ich hier kommentieren durfte 😉 )

  3. Futterfrau: Das ist ein Menschenthema. Und dazu ein ganz schwierig zu behandelndes. Ich habe gar keine Kommentare erwartet und freue mich ungemein, dass dir meine „Sicht der Dinge“ nahe kommt. Das „Regenbogen“-Bild ist schön, lässt mich aber trotzdem hilflos zurück.
    Aber loslassen, nicht klammern und den Weg frei machen für das nächste Leben- damit kann ich umgehen. Auch wenn es jedesmal unendlich schwer ist.
    Du hast dich sehr gut ausgedrückt. Danke!

  4. Hallo Futterfrau,
    durch einen Tweet bin ich heute auf diesen Post aufmerksam geworden und ich gebe Dir voll uns ganz Recht. Und dieses Mantra werd ich wohl heute auch noch brauchen.

    Ich lebe mit vier Samtpfoten zusammen von denen einer inzwischen einen Twitter-Account und einen Blog hat. (Twitter: TheoBRoosevelt und http://TheordoreBRoosevelt.wordpress.com)
    Leider hatte Teddy vor Kurzem eine Herzmuskelentzündung und inzwischen ist ein massiver Nierenschaden dazugekommen. Er hat sich bisher wacker geschlagen und dem Tod zweimal von der Schaufel gesprungen, aber ich fürchte heute ist der Tag, ab dem ich ihn erlösen lassen muss. Zumindest wenn die Tierärztin nicht noch ein Wundermittelchen im Schrank stehen hat geht seine Zeit heute zuende. Und ich versuche mir schon seit zwei Tagen zu sagen, dass es reiner Egoismus wäre ihn weiterhin mit Medikamenten, Infundationen usw zu quälen…. ich hoffe ich kann heute loslassen!!

  5. Liebe Freunde,

    einen Tag später hat Teddy dem Tuffelchen die Entscheidung abgenommen und entschieden, ins Licht zu gehen. Wir sehen uns-hier, oder woanders.
    Für dich Teddy
    http://twitpic.com/oedum

    Matze+Rudi

  6. Liebe Futterfrau, das hast Du sehr schön geschrieben!
    Liebes Tuffelchen, ich drück Dich ganz doll *pfotel*!
    Lieber Teddy, alles gute auf Deiner Reise über die Regenbogenbrücke!
    Lieber Matze+Rudi, danke für Euer schönes Pfotenland-Magazin – auch wenn es manchmal traurige Themen gibt!

    *schnüff-schnurrrrrrr*
    Lucy KatzeMieze

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